Die Kunst der Wachsgewinnung: So stellst du hochwertiges Bienenwachs her
Bienenwachs ist eines der faszinierendsten und wertvollsten Naturprodukte, das Imker aus ihren Bienenvölkern gewinnen können. Es dient nicht nur als Baumaterial für die Waben, sondern findet auch in zahlreichen Bereichen Anwendung, von der Kerzenherstellung bis hin zur Kosmetik und Lebensmittelverarbeitung. In diesem Blogbeitrag erfährst du alles über die richtige Wachsgewinnung, die dafür notwendigen Materialien und den optimalen Schmelz- und Reinigungsprozess.
1. Woher stammt das Bienenwachs?
Bienen produzieren Wachs in ihren Wachsdrüsen, die sich am Hinterleib der Arbeiterinnen befinden.

Das Wachs tritt als kleine weiße Plättchen aus und wird von den Bienen zum Bau der sechseckigen Waben genutzt. Mit zunehmendem Gebrauch nimmt das Wachs eine gelbliche bis braune Färbung an, da es mit Pollen, Propolis und anderen Stoffen in Kontakt kommt. Das gewonnene Wachs kann für verschiedene Zwecke aufbereitet werden.
2. Materialien für die Wachsgewinnung
Bevor es ans Schmelzen geht, benötigst du die richtigen Materialien:
- Entdeckelungswachs und alte Waben: Das beste Wachs stammt aus dem Entdeckelungsprozess bei der Honigernte. Alte, dunkle Brutwaben sollten nur begrenzt genutzt werden.
- Wachsschmelzer: Je nach Methode kommen Sonnenwachsschmelzer, Dampfwachsschmelzer oder Wasserbad-Schmelzer zum Einsatz.1
- Filtermaterial: Baumwolltücher oder Feinsiebe helfen, Verunreinigungen zu entfernen.
- Auffanggefäß: Eine hitzebeständige Form zum Sammeln des geschmolzenen Wachses.
- Reinigungsmittel: Essig oder Zitronensäure zur Entfernung von Reststoffen.
3. Methoden der Wachsschmelzung
Es gibt mehrere Methoden, um Wachs aus den Waben zu extrahieren. Hier sind die wichtigsten Verfahren:
Sonnenwachsschmelzer
Ein Sonnenwachsschmelzer nutzt die Energie der Sonne, um das Wachs langsam zu schmelzen. Dabei werden die Waben oder Wachsreste in eine Metallwanne gelegt und mit einer Glasabdeckung versehen. Die Sonne erhitzt das Innere, wodurch das Wachs flüssig wird und durch ein Sieb in ein Auffanggefäß tropft.
- Vorteile: Umweltfreundlich, kostengünstig
- Nachteile: Funktioniert nur bei starker Sonneneinstrahlung, dauert länger
Dampfwachsschmelzer
Hierbei wird Wasserdampf genutzt, um das Wachs aus den Waben zu lösen. Die Waben kommen in einen Edelstahlbehälter mit einem Dampfgenerator, der heißen Dampf erzeugt. Das heiße Wachs tropft nach unten und wird in einem Gefäß gesammelt.
- Vorteile: Schnelle und effiziente Methode, hohe Wachsqualität
- Nachteile: Benötigt zusätzliche Ausrüstung
Wasserbad-Schmelzung
Diese Methode ist besonders für kleinere Mengen geeignet. Das Wachs wird in einem Topf mit Wasser erhitzt. Beim Schmelzen schwimmt das Wachs an die Oberfläche, während schwerere Verunreinigungen absinken.
- Vorteile: Einfache und günstige Methode
- Nachteile: Benötigt anschließend eine aufwendigere Reinigung
4. Nachbearbeitung und Reinigung
Damit das gewonnene Wachs von höchster Qualität ist, sind einige Schritte zur Reinigung notwendig.
Erstfiltrierung
Nach dem Schmelzen sollte das heiße Wachs durch ein feines Sieb oder ein Baumwolltuch gegossen werden, um grobe Verunreinigungen zu entfernen.

Klärung durch erneutes Erhitzen
Das gefilterte Wachs wird erneut in einem Wasserbad erhitzt und einige Stunden stehen und langsam abkühlen gelassen. Dabei setzen sich letzte Rückstände am Boden ab.
Endfiltrierung
Ein letzter Filterprozess durch engmaschige Stoffe wie Nylon oder spezielle Wachsfilter sorgt für absolute Reinheit.
Barren oder Platten gießen
Das gereinigte Wachs wird in Silikonformen oder Edelstahlschalen gegossen und aushärten gelassen. So lässt es sich optimal lagern und weiterverarbeiten.
5. Verwendung von Bienenwachs
Nach der Reinigung kann das Bienenwachs für verschiedene Zwecke genutzt werden:
- Mittelwände für neue Rähmchen in der Imkerei
- Kerzenherstellung
- Bienenwachstücher als nachhaltige Verpackungsalternative
- Kosmetik (z. B. Lippenbalsam, Cremes)
- Holz- und Lederpflege
Fazit
Die Wachsgewinnung ist ein spannender Prozess, der nicht nur hochwertige Naturprodukte hervorbringt, sondern auch nachhaltig zur Kreislaufwirtschaft in der Imkerei beiträgt. Mit der richtigen Technik und den passenden Materialien kannst du reines Bienenwachs herstellen und vielseitig nutzen. Ob für neue Mittelwände, Kerzen oder Kosmetik – selbst gewonnenes Wachs ist immer etwas Besonderes!
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